KRITIKEN
Slawische Glut und schmissiger Cancan Abo
Mit Feuer und Gefühl: Das Jugendorchester “Holst Sinfonietta”
spielt auf hohem Niveau in Lahr
LAHR. Es war ein toller Abend auf hohem Niveau. Das von Klaus Simon
souverän und mit Gespür geleitete Jugendorchester der Freiburger “Holst
Sinfonietta” — 20 junge Streicher — hatte Feuer, Spritzigkeit,
Spielfreude, Gefühl. Dass da etwa bei einer sehr langsamen, getragenen
Passage die Violinen einmal ein klein wenig zittern, ist ohne Bedeutung.
Schließlich sind die Künstler im Schnitt 15 bis 16 Jahre alt.
Zu hören war das Konzert am Freitag im für derlei Anlässe
ausgezeichneten und auch passabel besuchten Gemeindesaal der
Evangelisch-Methodistischen Kirche in Lahr-West. Höhepunkte waren
Ottorino Respighis “Concerto a cinque” und das Klavierkonzert Nr. 1 in
c-moll, opus 35, von Dimitri Schostakowitsch, 1933 entstanden. Es ist
ein fröhliches, turbulentes Werk. Zunächst bietet der Komponist
slawische Glut. Doch die feurigen Volkstanz-Rhythmen, mit dem furiosen
Solo-Piano kippen urplötzlich in ausgelassene Operette mit schmissigem
Can-Can. Die Geigen quietschen wie eine ausgelassene Mädchenschar, die
Trompete — Schostakowitsch setzt sie hier ständig als humorigen
Kontrast zum Piano ein — schmettert husarenhaft dazwischen. Später
greift der Meister eine Tschaikowsky-Phrase aus dem Schwanensee auf und
kontrastiert sie mit Vaudeville-Schmissigkeit, bringt einen Boogie ins
Spiel, mit bluesy akzentuiertem Rhythmus in der Basshand, untermalt von
gezupften “Plunk Plunk” -Tupfern der Celli. Die Trompete legt ebenfalls
eine bluesige Linie drüber. Der Blues wird eingeholt, überholt und
davongerissen von einem Tutti-Stakkato des Orchesters, das sich
kraftvoll steigert bis zur Vehemenz.
Toll der langsame Satz mit seiner geheimnisvoll-mystischen Melodie, die
schweifenden Klavierlinien elfenhaft schwebend über einem cremigen
Streicherklang. Feuer dann im Schlusssatz: die Streicher kräftig und wie
gestanzt, fallende Intervallketten. Es klingt wie ein Buffo-Chor aus
keifenden Weibern. Ein Walzer schunkelt über das Klavier, das sich rasch
in ein Honky-Tonk-Kaschemmen-Piano verwandelt. Die Kadenz hat Beethovens
“Wut über den verlorenen Groschen” zum Thema, und permanent fährt die
zur Attacke blasende Trompete dazwischen — ein brillantes und von der
Pianistin Katerina Chuklina souverän-brillant dargebotenes, höchst
spaßiges Tohuwabohu.
Aus demselben Jahr, aber ganz anders: Respighis Konzert für Klavier
(Michael Lang), Trompete (Milen Haralambov), Geige (Sabine Kronberger),
Oboe (Alexander Ott), Kontrabass (Philipp Ratz) und Streichorchester. Es
ist kein Werk für kammermusikalisches Quintett und Orchester, der
Komponist nutzt die Solisten vor allem, um mit Klangfarben zu malen. Die
Stimmungen wechseln zwischen großem Pathos mit wuchtigen Rhythmen und
elegischem Schwelgen. Es gibt pentatonische Elemente, kleine
Tonreibungen, impressionistisches Zerren an der Seele — Debussy lässt
grüßen. Abgerundet wurde das Programm durch “The unanswered Question”
von Charles Ives und Edvard Griegs Suite “Aus Holbergs Zeit” . Großes
Bravo!
/*Robert Ullmann*/
2. Lahrer Zeitung 10.7.07
Klassik mit modernen Elementen
Jugendorchester vereint Stile zu besonderem Programm
Lahr (cb). Ein wahrhaft beeindruckendes Konzert hat das Jugendorchester
der Holst-Sinfonietta im Kirchenraum der Evangelisch-Methodistischen
Kirche im Königsberger Ring in Lahr gegeben. Die jungen Musiker,
zwischen elf und 19 Jahren, aus dem südbadischen Raum wurden durch vier
ältere Solisten verstärkt.
Es war ein Ausflug in die klassische Musik mit modernen Elementen, den
das rund 20-köpfige Streichorchester mit den recht wenigen Zuhörern
unternahm.
Von romantisch verträumt, über Disharmonien bis hin zu einem Dialog
zwischen Flügel und Trompete, der fast in einem Streit endete reichte
das Spektrum, das die jungen Musiker abdeckten. Hoch konzentriert
schienen sie die Umwelt zu vergessen, legten ihr ganzes Gefühl in ihre
Instrumente und die Musik.
Der Dirigent, Klaus Simon, lebte voll mit, lockte die einzelnen Stimmen
mit der einen Hand zum Crescendo, bremste gleichzeitig die anderen zum
Piano ab.
Und nach jedem Stück stand ihm der Stolz auf die Schüler ins Gesicht
geschrieben.
Das Orchester hatte sich recht schwierige und lange Stücke vorgenommen,
verbanden Altes und Neues, Tradition und Avantgarde, indem sie mit
Edvard Griegs »Aus Holbergs Zeit«, Opus 40 und Ottorino Respighis
»Concerto a cinque« eher historisierende Werke, mit Charles Ives »The
unanswered Question« von 1906 und Dimitri Schostakowitschs erstes
Klavierkonzert in c-Moll, Opus 35 die Moderne aufzeigten.
Besonders die Solisten, Katerina Chuklina und der erst 19-jährige
Michael Lang am Klavier, Alexander Ott, Oboe, Milen Haralambov,
Trompete, und Philipp Ratz, Kontrabass, überzeuten. Aber auch die
Orchestermitglieder zogen mit ihrer Perfektion die Aufmerksamkeit auf
sich. Das Jugendorchester der Holst-Sinfonietta wurde 2006 anlässlich
des zehnjährigen Bestehens der Holst-Sinfonietta gegründet. Die jungen
Musiker sollen laut Programmheft »einerseits Orchestererfahrung sammeln
und gleichzeitig neue und bisweilen gewöhnungsbedürftige Werke
kennenlernen«.
Für junge Musiker, die beim Jugendorchester der Holst-Sinfonietta
mitspielen möchten, steht Marlene Winker, Telefon 07 61/4 00 15 79 als
Ansprechpartnerin zur Verfügung.
3. Artikel am 3.7.07 BZ
“Man hört, dass es Spaß macht” Abo
Junges Orchester spielt heute Abend um 20 Uhr im E-Werk
“Heute Abend wird niemand unzufrieden wieder rausgehen.” Da ist sich
Marlene Winkler (17) ganz sicher. Die Schülerin gehört zu 22 jungen
Musikerinnen und Musikern, die heute Abend um 20 Uhr im E-Werk ihr
erstes Konzert in diesem Jahr geben. An ihrem aktuellen Projekt, “In
Modo Antico E Più Nuovo” arbeitet das “Johs” (Junges Orchester der
Holst-Sinfonietta) bereits seit Anfang des Jahres.
“Ich würde mich freuen, wenn auch viele junge Leute kommen würden, denn
schließlich sind auch wir jung” , sagt Bratschen-Spielerin Marlene.
Cellist Sebastian Buttgereit (15) fügt hinzu: “Uns macht das Konzert
einfach Spaß. Und das wird man auch hören.” Der Schwerpunkt des “Johs”
liegt derzeit auf einem Streichorchester. In nächster Zeit soll es aber
mit Bläsern erweitert werden. “Unsere Musik bewegt sich schon auf einem
höheren Niveau als etwa eine Schülergruppe” , betont Klaus Simon,
musikalischer Leiter des jungen Orchesters.
Ihre Bewährungsprobe hatten die Musiker schon bei ihren ersten beiden
Konzerten vergangenes Jahr. Kurz nach dem 10-jährigen Jubiläum der
Holst-Sinfonietta hatten sie sich zusammengetan, um auch jüngeren
Spielern ein Forum zu bieten. “Wir hatten festgestellt, dass bisher kein
vergleichbares Orchester dieser Art in Freiburg existierte” , so Klaus
Simon.