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Abschied...

Do. 29. März 2012, 20 Uhr, EWERK, Großer Saal, Eschholzstr. 77, Freiburg

Gustav Mahler:

Sinfonie Nr. 9 (1909-10)

für Kammerensemble bearbeitet von Klaus Simon (2010/11)

Freiburger Erstaufführung

Holst-Sinfonietta

Dirigent: Klaus Simon

 

Abschied...ist ein Konzert mit Gustav Mahlers letztem vollendeten Werk: seine 9. Sinfonie, die vor genau 100 Jahren, am 26. Juni 1912 unter Bruno Walter uraufgeführt wurde.
Mahlers 9. Sinfonie ist sein Abschied als Sinfoniker. Hier konnte er zum letzten Mal
„die Welt in Töne setzen“. Eigentlich wäre das Lied der Erde schon seine 9. Sinfonie
gewesen, aber Mahler schreckte vor der Bedeutung einer eigenen Neunten zurück,
wohl wissend, dass Bruckner nur ein Fragment hinterließ. Viele Mahler-Exegeten
bezeichnen die 9. Mahlers als einem kompositorischen Abschied. Über den letzten
Takten des Schlussadagios schrieb Mahler „ersterbend“. Die Musik löst sich entmaterialisiert im Nichts auf, sie verstummt. eine Epoche ging zu Ende …
Mahler selbst konnte seine Neunte nicht mehr hören, erst 1912 erklang sie in Wien
unter Bruno Walter zum ersten Mal.
Nach der erfolgreichen Realisationen seiner Kammerensemblefassungen von
Mahlers 1. und 4. Sinfonie, die mittlerweile weltweit von namhaften Ensembles
und Dirigenten aufgeführt werden, hat Klaus Simon nun Mahlers Neunte für nur 16
Musiker bearbeitet. Der Verzicht auf die Wirkung eines großen Orchesters bedeutet
zwar weniger an Klangmasse, doch gleichzeitig Verdichtung und Fokussierung.
Die Holst-Sinfonietta präsentiert diese Fassung in Freiburg nur einen Tag nach der
Uraufführung in der Berliner Philhamonie.

BZ-Kartenservice Freiburg Ticket, Bertoldstr. 7, Freiburg, Telefon: 0761 / 49 68 888
oder online bestellen: www.reservix.de
Eintritt 18/12 Euro (Abendkassenpreis. VVK mit üblichen Gebühren)

Mahler arrangieren?!

Gustav Mahlers Sinfonien für Kammerorchester bzw. -ensemble? Ist das nicht ein Sakrileg, eine Unmöglichkeit? Lebt denn Mahlers sinfonisches Schaffen nicht auch gerade durch seine einzigartige Instrumentationskunst und seine Klanggewalt?

Sicher, aber jede gute Musik funktioniert auch in anderer klanglicher Gestalt. Das wusste jedenfalls Arnold Schönberg, als er 1918 den „Verein für musikalische Privataufführungen“ in Wien gründete. Der Verein wollte mittels hoher idealistischer Ziele „Klarheit“ v.a. über zeitgenössische Werke vermitteln und sie mustergültig im privaten Rahmen zur Aufführung bringen. In den drei Jahren seiner Existenz wurden einige zeitgenössische Orchesterwerke von Schönberg selbst, Alban Berg, Anton Webern, Erwin Stein, Hanns Eisler u.a. für Kammerensemble arrangiert und aufgeführt.

Schönbergs Postulat war die Essenz dieser im Original groß besetzten Werke in schlanken Klanggewand zu überprüfen. Dabei entstand so etwas wie eine Standardbesetzung: Flöte, Klarinette, manchmal Oboe, Harmonium, Klavier, Streichquartett und Kontrabass.

Diese Tradition im Bewusstsein wissend machte ich mich 2007 an das Arrangement von Mahlers 4. Sinfonie, seinem sicher kammermusikalischsten Beitrag zu dieser Gattung. Grund war ein praktischer: ich plante ein Wiener Konzertprogramm mit der Holst-Sinfonietta. Dabei erwog ich erst Erwin Steins Arrangement der 4. Mahlers zu programmieren, entschied mich aber dann kurzfristig für ein eigenes Arrangement. Steins Version orientiert sich sehr an der oben genannten Standardbesetzung. Ich selbst vermisste dabei v.a. das Horn und das Fagott, wollte mehr Farben, mehr Fülle. Dabei versuchte ich mich sehr am Original zu orientieren, um die einzigartigen Mahlerschen Instrumentationskünste nicht völlig aufgeben zu müssen. Die beiden Tasteninstrumente Harmonium und Klavier, eigentlich Fremdkörper im Mahlerschen Originalklangbild, dienen dabei sehr gut, um Strukturen zu unterstützen, fehlende Harmonietöne zu ergänzen oder fehlende Register zu ermöglichen u.v.m.

Nachdem in recht kurzer Zeit die Aufführungszahlen meiner mittlerweile 2008 bei der UE erschienen Partitur und Stimmen „meiner“ 4. Mahlers sich als sehr ermutigend abzeichneten, beriet ich mich mit meinem hochgeschätzten Lektor Heinz Stolba ob eines weiteren Arrangements und ich entschied mich für Mahlers 1. Sinfonie. Mahlers Erstling ist im original von der Anlage her schon größer besetzt und sinfonischer dimensioniert als seine 4. Sinfonie. Deswegen ist mein Arrangement nun etwas üppiger als das der 4. ausgefallen, hinzu kommt nun eine weitere Klarinette (auch Bassklarinette), ein zweites Horn und eine Trompete in B.

Auch dieses Arrangement macht seinen Weg durch die Konzertsäle, so wurde es bereits neben „meiner“ 4. auch vom Ensemble Mini-Mahler in Berlin aufgeführt, einem erstaunlichem jungen Ensemble mit hervorragenden Musikern und viel Begeisterung für Mahlers Musik.

Im Sommer 2010 kam der Auftrag dieses tatkräftigen Ensembles für ein Arrangement von Mahlers 9. Sinfonie, den ich gerne annahm. Die Neunte hat die gleiche Besetzung wie „meine“ Erste.

Ich freue mich, dass meine reduzierten Fassungen nunmehr weltweit gespielt werden. Das hätte ich mir nie erträumen lassen und ist ein großer Stimulus vielleicht noch weitere folgen zu lassen....

Der Erfolg dieser Arrangements ist letztendlich ein weiterer Beweis für die zeitlose Qualität von Mahlers Musik, die mich und vieler meiner Zeitgenossen wie kaum eine anderer immer wieder tief berührt.

Klaus Simon


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